Balkonkraftwerk mit Infrarotheizung betreiben im Wohnzimmer PluginEnergy

Infrarotheizung mit Balkonkraftwerk betreiben: Was 2.000 Wp im Winter wirklich bringen

Eine Infrarotheizung lässt sich mit einem Balkonkraftwerk betreiben, denn die Heizung nutzt einfach den Solarstrom, den die Anlage gerade ins Hausnetz liefert. Voll heizen lässt sich mit einem 2.000-Wp-Balkonkraftwerk allerdings nicht. Im Dezember und Januar ist der Solarertrag dafür zu gering. Gut funktioniert die Kombination in der Übergangszeit, also im Oktober, März und April, und zum Zuheizen einzelner Räume tagsüber, etwa im Homeoffice. Realistisch spart sie, je nach Nutzung, einige Dutzend Euro pro Heizsaison. Dieser Ratgeber zeigt, mit welchen Zahlen du rechnen kannst und was in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt.

So funktioniert das Zusammenspiel

Ein Balkonkraftwerk speist seinen Strom über den Wechselrichter ins Hausnetz ein. Jedes Gerät, das in diesem Moment läuft, verbraucht zuerst diesen Solarstrom. Erst wenn mehr Leistung gebraucht wird, als die Module liefern, kommt der Rest aus dem öffentlichen Netz. Eine Infrarotheizung musst du also nicht direkt mit der Anlage verbinden. Sie bedient sich automatisch am Solarstrom, solange beide gleichzeitig laufen.

Daraus folgt der wichtigste Punkt: Entscheidend ist die Gleichzeitigkeit. Heizt die Infrarotheizung am Abend, scheint keine Sonne mehr, und der Strom kommt ohne Speicher vollständig aus dem Netz.

Wie viel Watt braucht eine Infrarotheizung?

Die nötige Leistung hängt vor allem von der Raumgröße und der Dämmung ab. Als grobe Orientierung bei üblicher Raumhöhe von etwa 2,5 m:

Raumgröße Neubau / gut gedämmt (ca. 60 W/m²) Altbau, teilsaniert (ca. 80–90 W/m²) Altbau, unsaniert (ca. 100–120 W/m²)
10 m² ca. 600 W ca. 800–900 W ca. 1.000–1.200 W
15 m² ca. 900 W ca. 1.200–1.350 W ca. 1.500–1.800 W
20 m² ca. 1.200 W ca. 1.600–1.800 W ca. 2.000–2.400 W
30 m² ca. 1.800 W ca. 2.400–2.700 W ca. 3.000–3.600 W

Diese Werte gelten, wenn die Infrarotheizung den Raum allein beheizt. Zum Zuheizen neben einer bestehenden Heizung reicht oft ein Paneel mit 400 bis 800 W. Diese Größe passt auch am besten zur Leistung eines Balkonkraftwerks.

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung wandelt Strom 1:1 in Wärme um. Ein 1.000-W-Paneel verbraucht in einer Stunde Volllast also 1 kWh. Im Alltag läuft die Heizung aber selten durchgehend. Ein Thermostat schaltet sie ab, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. Je nach Dämmung und Außentemperatur liegt die tatsächliche Laufzeit oft bei 30 bis 60 Prozent der Betriebsstunden.

Beispiel: Ein 600-W-Paneel ist von 9 bis 17 Uhr eingeschaltet und läuft davon etwa die Hälfte der Zeit. Das ergibt 0,6 kW × 8 h × 0,5 = 2,4 kWh pro Tag.

Was liefert ein 2.000-Wp-Balkonkraftwerk im Herbst und Winter?

Hier liegt die Grenze der Kombination. Ein Balkonkraftwerk mit 2.000 Wp Modulleistung erzeugt im mittleren Deutschland grob 1.800 bis 2.000 kWh im Jahr. Davon fällt jedoch nur ein kleiner Teil in die Heizmonate. Die folgenden Werte sind Richtwerte für eine Südausrichtung mit guter Neigung und ohne Verschattung. In der Ertragstabelle findest du weitere Ausrichtungen.

Monat Ertrag pro Monat (ca.) Ertrag pro Tag im Mittel (ca.)
Oktober 110–130 kWh 3,5–4 kWh
November 50–65 kWh 1,7–2,2 kWh
Dezember 35–45 kWh 1,1–1,5 kWh
Januar 45–55 kWh 1,5–1,8 kWh
Februar 80–95 kWh 2,9–3,4 kWh
März 140–170 kWh 4,5–5,5 kWh

 

Zwei Punkte solltest du dabei bedenken. Erstens versorgt dein Balkonkraftwerk tagsüber auch die Grundlast im Haushalt, also Kühlschrank, Router und Standby-Geräte. Dafür gehen schnell 0,5 bis 1 kWh am Tag weg. Zweitens schwankt der Ertrag im Winter von Tag zu Tag stark. An einem klaren Tag kommt ein Vielfaches des Mittelwerts zusammen, an trüben Tagen fast nichts.

Senkrecht am Balkongeländer montierte Module schneiden im Winter übrigens relativ gut ab. Die tiefstehende Sonne trifft sie in einem günstigeren Winkel als im Sommer.

Rechenbeispiel: Homeoffice mit 600-W-Infrarotheizung

Ein gut gedämmtes Arbeitszimmer mit 15 m² wird an 22 Arbeitstagen im Monat tagsüber mit einem 600-W-Paneel zugeheizt. Der Verbrauch liegt wie oben berechnet bei rund 2,4 kWh pro Tag, also etwa 53 kWh im Monat.

Monat Solaranteil am Heizstrom (grob) Solarstrom für die Heizung Ersparnis bei 35 ct/kWh
Oktober 50–70 % ca. 30 kWh ca. 10 €
November 30–40 % ca. 18 kWh ca. 6 €
Dezember 15–25 % ca. 10 kWh ca. 3,50 €
Januar 20–30 % ca. 13 kWh ca. 4,50 €
Februar 45–60 % ca. 28 kWh ca. 10 €
März 60–80 % ca. 37 kWh ca. 13 €

 

Über die Heizsaison kommen so rund 130 bis 140 kWh Solarstrom für die Heizung zusammen. Das entspricht etwa 40 bis 60 Euro. Mit den Heizkosten eines ganzen Hauses hat das wenig zu tun. Für einen einzelnen Raum, der ohnehin elektrisch zugeheizt wird, ist es aber ein spürbarer Beitrag. Hinzu kommt: Solarstrom, der im Oktober oder März nicht direkt im Haus verbraucht wird, fließt sonst meist ohne Vergütung ins Netz.

Wie viel ein Balkonkraftwerk übers ganze Jahr spart, zeigt unser Beitrag Stromkosten mit Balkonkraftwerk senken.

Mit Speicher: Solarstrom für den Abend

Ohne Speicher gibt dein Balkonkraftwerk gleichzeitig höchstens so viel Leistung ins Haus ab, wie der Wechselrichter einspeisen darf. Was die Module darüber hinaus erzeugen, geht verloren. Bei einem 2.000-Wp-Set kommt das an sonnigen Herbst- und Frühlingstagen häufig vor.

Ein Speicher für das Balkonkraftwerk nimmt diesen Überschuss auf und gibt ihn später wieder ab, zum Beispiel am frühen Abend, wenn der Raum noch warm bleiben soll. Komplettsets wie das PiE POWER 2000W mit FoxESS Avocado 22 Orbit Pro oder das PiE POWER 2000W mit Anker SOLIX Solarbank 4 Pro sind für genau diesen Einsatz ausgelegt.

Ehrlich gesagt: Im Dezember und Januar wird ein Speicher selten voll, weil der Ertrag kaum über die Grundlast hinausgeht. Seine Stärke spielt er im Oktober, im Februar und im März aus. Speicher, die dynamische Stromtarife unterstützen, wie der Sigenergy SigenMate 2700 Ultra, können zusätzlich günstigen Netzstrom zwischenspeichern. Ob sich das lohnt, hängt von deinem Tarif ab. Mehr zum Thema findest du im Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher.

Smart steuern: Heizen, wenn die Sonne scheint

Am meisten Solarstrom nutzt du, wenn die Heizung dann läuft, wenn die Anlage produziert. Dafür gibt es einfache Wege:

  • Zeitschaltung: Lass die Infrarotheizung vor allem zwischen etwa 10 und 15 Uhr laufen. Dann ist der Ertrag im Winter am höchsten.
  • Thermostat mit Wochenprogramm: Morgens und abends eine niedrigere Temperatur, mittags etwas höher. Die Wärme bleibt in Wänden und Möbeln teilweise gespeichert.
  • Überschusssteuerung: Mit einem Smart Meter und einer schaltbaren Steckdose kann die Heizung automatisch angehen, sobald Überschuss vorhanden ist. Systeme wie Home Assistant übernehmen das zuverlässig. Welche Messgeräte infrage kommen, erklärt unser Beitrag zum Smart Meter für den Balkonkraftwerk-Speicher.

Sicherheit und Installation

Eine Infrarotheizung ist ein Verbraucher mit hoher Dauerleistung. Plane den Anschluss deshalb zusammen mit einer Elektrofachkraft, besonders wenn Heizung und Balkonkraftwerk am selben Stromkreis hängen sollen. Steckdosenleisten und Verlängerungskabel sind für Heizgeräte mit Dauerbetrieb ungeeignet. Grundsätzlich empfehlen wir, ein Balkonkraftwerk immer in Abstimmung mit einem Elektriker zu planen. Hinweise zum sicheren Anschluss findest du im Beitrag Solarstrom an Steckdosen sicher anschließen.

Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Deutschland Österreich Schweiz
Einspeiseleistung bis 800 W (Wechselrichter) bis 800 W (Wechselrichter) bis 600 W AC, fest am Wechselrichter
Modulleistung bis 2.000 Wp vorab mit dem Netzbetreiber klären höhere Modulleistung möglich, Einspeisung bleibt bei 600 W
Anmeldung Marktstammdatenregister Meldung beim Netzbetreiber Meldung beim Netzbetreiber vor Inbetriebnahme

 

Für die Kombination mit einer Infrarotheizung heißt das: In Deutschland und Österreich passt ein Heizpaneel mit 400 bis 800 W gut zur Einspeiseleistung. In der Schweiz liegt die Grenze bei 600 W, deshalb ist dort ein kleineres Paneel sinnvoller. Größere Anlagen sind in der Schweiz nur über eine Fachinstallation möglich. Die Regeln können sich ändern. Stand dieses Beitrags: Oktober 2026.

Infrarotheizung oder Klimagerät mit Heizfunktion?

Eine Infrarotheizung ist günstig in der Anschaffung, einfach zu montieren und erwärmt Oberflächen und Personen schnell. Effizienter ist allerdings ein Split-Klimagerät mit Heizfunktion, also eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Aus 1 kWh Strom macht es im Herbst und Frühling oft 3 kWh Wärme oder mehr. Mit demselben Solarstrom heizt du damit spürbar länger. Wer ohnehin über eine Klimaanlage nachdenkt, nutzt den Solarstrom so im Sommer zum Kühlen und im Winter zum Heizen. Mehr dazu im Beitrag Klimaanlage mit Balkonkraftwerk betreiben.

Für wen lohnt sich die Kombination?

  • Sinnvoll: zum Zuheizen von Homeoffice, Bad, Hobbyraum oder Wintergarten tagsüber, für Räume ohne eigene Heizung und für die Übergangszeit, wenn die Zentralheizung noch nicht laufen soll.
  • Weniger sinnvoll: als alleinige Heizung einer Wohnung, für Räume, die vor allem abends genutzt werden, und bei stark verschatteten Balkonen.

Häufige Fragen

Kann ich eine Infrarotheizung direkt mit Solarstrom betreiben?

Ja. Die Heizung wird ganz normal an die Steckdose angeschlossen und nutzt automatisch den Solarstrom, den das Balkonkraftwerk gerade liefert. Reicht dieser nicht aus, kommt der Rest aus dem Netz.

Wie viel Strom verbraucht eine 1.000-W-Infrarotheizung pro Stunde?

Bei Volllast 1 kWh pro Stunde. Durch den Thermostat läuft die Heizung meist nur einen Teil der Zeit. Im Mittel liegt der Verbrauch dann oft bei 0,3 bis 0,6 kWh pro Betriebsstunde.

Reicht ein 2.000-Wp-Balkonkraftwerk, um einen Raum im Winter zu heizen?

Im Dezember und Januar nicht. Dann liefert die Anlage im Mittel nur 1 bis 2 kWh am Tag. Im Oktober, Februar und März kann sie an sonnigen Tagen einen großen Teil des Heizstroms für einen kleinen Raum decken.

Kann ich eine Infrarotheizung mit einer Powerstation betreiben?

Technisch ja, sofern die Powerstation die Dauerleistung der Heizung schafft. Wirtschaftlich lohnt das selten: Eine Powerstation mit 1 kWh Kapazität betreibt ein 600-W-Paneel nur rund zwei Stunden unter Last. Ein fest eingebundener Speicher am Balkonkraftwerk ist dafür die bessere Lösung.

Lohnt sich ein Speicher nur für die Heizung?

Nur für die Heizung meist nicht. Ein Speicher lohnt sich vor allem übers ganze Jahr, weil er Solarstrom in den Abend und die Nacht verschiebt. Die Heizung in der Übergangszeit ist ein zusätzlicher Nutzen.

Eine Infrarotheizung mit dem Balkonkraftwerk zu betreiben, ist technisch einfach und in der Übergangszeit auch sinnvoll. Ein kompletter Ersatz für die Heizung ist es nicht, denn im tiefen Winter reicht der Solarertrag dafür oft nicht aus. Wer einen einzelnen Raum tagsüber gezielt zuheizt, die Heizung smart steuert und bei einem 2.000-Wp-Set einen Speicher ergänzt, holt aus seinem Solarstrom im Herbst und Frühling deutlich mehr heraus und startet seine Heizperiode später als ohne Infrarotheizung. Passende Sets findest du in unserer Auswahl an Balkonkraftwerken mit 2000 Watt.

Von Aleksej Heidt

Von Aleksej Heidt

Aleksej Heidt ist Ingenieur, Batterieentwickler für Hochvoltsysteme und Geschäftsführer der PluginEnergy GmbH. Als Experte für Balkonkraftwerke, Photovoltaik, Batteriespeicher und moderne Energiesysteme verbindet er technisches Fachwissen mit Praxiserfahrung seit 2012.

In seinen Fachbeiträgen erklärt er aktuelle Entwicklungen rund um Balkonsolar, Speichertechnologien, Energiemanagement und die private Energiewende verständlich, fundiert und praxisnah. Sein Ziel ist es, Verbraucher bei der Auswahl sicherer, effizienter und zukunftsfähiger Energielösungen zu unterstützen.