Stromausfall? Wie du dein Balkonkraftwerk als Notstrom-Lösung nutzt

Stromausfall? Wie du dein Balkonkraftwerk als Notstrom-Lösung nutzt

Die Vorstellung ist ungemütlich: Ein Blackout legt das Viertel lahm, der Kühlschrank taut ab und das WLAN ist weg. Viele Besitzer eines Balkonkraftwerks gehen davon aus, dass sie bei Sonnenschein trotzdem Strom haben. Doch ein Standard-System schaltet bei Stromausfall aus Sicherheitsgründen sofort ab. Echten Notstrom liefert erst ein Speicher mit eigenem Notstromausgang – und auch der nur für ausgewählte Geräte.

Warum ein normales Balkonkraftwerk bei Stromausfall abschaltet

Der Wechselrichter eines Balkonkraftwerks ist netzgeführt: Er richtet sich nach Spannung und Frequenz des öffentlichen Netzes. Fällt das Netz aus, muss er innerhalb von Sekundenbruchteilen abschalten. Dieser Netz- und Anlagenschutz verhindert, dass Leitungen unter Spannung stehen, an denen Techniker arbeiten. Er ist kein Mangel, sondern eine zentrale Sicherheitsfunktion.

Auch ein gewöhnlicher Balkonkraftwerk-Speicher ändert daran zunächst nichts. Er nimmt tagsüber Überschüsse auf und gibt sie abends über den Wechselrichter wieder ins Hausnetz ab. Fehlt das Netz, trennt sich auch dieser Weg. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Kapazität, sondern ob der Speicher einen vom Netz getrennten Notstromausgang besitzt.

Die zwei Wege zur Notstromversorgung

1. Speicher mit Notstromsteckdose

Notstromfähige Speicher erkennen den Netzausfall, trennen sich vom Hausnetz und versorgen über eine eigene Steckdose am Gerät die dort angeschlossenen Verbraucher. Bei vielen Modellen laden die Solarmodule den Speicher dabei weiter nach, sodass die Reserve tagsüber wieder aufgefüllt wird. Im Sortiment bieten etwa die Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro und die Anker SOLIX Solarbank Max AC einen solchen Ausgang; Dauer- und Spitzenleistung stehen auf der jeweiligen Produktseite.

2. Powerstation als mobile Reserve

Eine tragbare Powerstation ist die einfachste Lösung: Im Ernstfall versorgt sie Router, Laptop oder Kühlbox direkt. Manche Modelle lassen sich mit Solarmodulen laden, die dafür vom Balkonkraftwerk-Wechselrichter getrennt und an die Powerstation angeschlossen werden. Der Nachteil: Du musst im Ernstfall umstecken, und die Leistung ist meist kleiner als bei einem fest installierten Speicher.

Die Notstromsteckdose ersetzt keine Hausinstallation

Der sichere Weg ist klar: Wichtige Geräte werden im Ernstfall direkt am Notstromausgang betrieben, etwa Router, Ladegeräte, LED-Leuchte, Laptop oder eine kleine Kühlbox. Ein Kühlschrank ist möglich, wenn Ausgangsleistung und Anlaufstrom des Kompressors passen.

Nicht zulässig und gefährlich ist es, den Notstrom über einen Stecker in eine Wandsteckdose zurückzuspeisen. Damit stünden Leitungen unerwartet unter Spannung. Die Versorgung fest installierter Stromkreise braucht eine fachgerecht geplante Umschalteinrichtung und gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.

Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird: Ein Balkonkraftwerk speist auf einer Phase ein. Selbst mit aufwendiger Umschaltung ließe sich ohne zusätzliche Technik nicht das ganze Haus versorgen. Für Steckersolar ist der separate Notstromausgang deshalb die praxistaugliche Lösung.

Leistung und Kapazität richtig auswählen

Zwei Werte entscheiden, ob Dein Speicher im Ernstfall hilft: die Ausgangsleistung in Watt und die nutzbare Kapazität in Wattstunden.

  • Ausgangsleistung bestimmt, welche Geräte gleichzeitig laufen dürfen. Ein Router braucht 10 bis 20 Watt, ein Laptop 40 bis 100 Watt. Wasserkocher, Föhn oder Heizlüfter fordern 1.000 Watt und mehr – dafür ist ein Notstromausgang in der Regel nicht gedacht.
  • Kapazität bestimmt die Laufzeit. Ein Speicher mit 1.000 Wh nutzbarer Energie versorgt einen Router mit 15 Watt rechnerisch über 60 Stunden. Umwandlungsverluste, der Eigenverbrauch des Systems und weitere Geräte verkürzen das deutlich.
  • Spitzenleistung zählt bei Kühlgeräten: Der Kompressor verlangt beim Anlaufen kurzzeitig ein Mehrfaches seiner Betriebsleistung.

Im Winter, nachts oder bei dichter Bewölkung lädt der Speicher kaum nach. Plane deshalb mit der Kapazität, die zu Beginn des Ausfalls im Speicher ist – nicht mit dem Solarertrag eines Sommertags.

Realitätscheck: Was im Notfall läuft

Gut versorgen lassen sich:

  • Internet-Router und Telefon
  • Ladegeräte für Smartphone, Tablet und Laptop
  • LED-Leuchten
  • Kühlschrank oder Kühlbox, sofern der Anlaufstrom passt

Nicht vorgesehen sind Backofen, Herd, Wasserkocher, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe. Wer auf ein medizinisches Gerät angewiesen ist, sollte dessen Anforderungen genau prüfen; ein Balkonkraftwerk-Speicher ersetzt kein professionelles Backup-Konzept.

Darauf solltest Du beim Kauf achten

  • Echter Notstromausgang mit klar angegebener Dauer- und Spitzenleistung
  • Solarnachladung im Notstrombetrieb
  • Automatische oder manuelle Umschaltung – und wie lange sie dauert
  • Erweiterbare Kapazität, falls Du später mehr Reserve willst
  • Aufstellort: trocken, frostfrei, innerhalb des zulässigen Temperaturbereichs

Einen Überblick über alle Speicher mit ihren Notstromfunktionen findest Du in unserer Speicher-Übersicht und in den Komplettsets mit Speicher. Wie Du Kapazität und Speichertyp grundsätzlich auswählst, erklärt der Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk wird nur mit dem passenden Speicher zur Notstromquelle. Plane die Lösung nicht für einen abstrakten Blackout, sondern für Deinen Alltag: Welche Geräte müssen laufen, wie viel Leistung brauchen sie und wie viele Stunden willst Du überbrücken? Mit diesen drei Antworten lässt sich ein Speicher wählen, der im Ernstfall genau das liefert, was Du brauchst.

Von Aleksej Heidt

Von Aleksej Heidt

Aleksej Heidt ist Ingenieur, Batterieentwickler für Hochvoltsysteme und Geschäftsführer der PluginEnergy GmbH. Als Experte für Balkonkraftwerke, Photovoltaik, Batteriespeicher und moderne Energiesysteme verbindet er technisches Fachwissen mit Praxiserfahrung seit 2012.

In seinen Fachbeiträgen erklärt er aktuelle Entwicklungen rund um Balkonsolar, Speichertechnologien, Energiemanagement und die private Energiewende verständlich, fundiert und praxisnah. Sein Ziel ist es, Verbraucher bei der Auswahl sicherer, effizienter und zukunftsfähiger Energielösungen zu unterstützen.